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31.05.2014

„Gott statt Hass im Herzen tragen“

von Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum Kemnath

Kemnath. Für Kultusminister Dr. Alois Hundhammer war es keine Frage: „Wenn auch die Zukunft düster erscheine, so könne doch jeder Christ vertrauensvoll in die Zukunft schauen, da die Erfahrung gelehrt habe, dass der wahrhaft gläubige Mensch allen Stürmen am besten widerstanden habe.“ Ja, er war nicht nur ein Fest der bunten Fahnen und illustren Häupter, sondern auch der klaren Worte und Bekenntnisse: jener „kleine Katholikentag“, zu dem sich vor 64 Jahren die Gläubigen der Anzensteinstadt zusammenfanden.

Die Ehrengäste des Kemnather Katholikentages mit Bischof Aloysius Muench und Kultusminister Alois Hundhammer (vorn sitzend: Dritter und Zweiter von rechts). Bildquelle: Familienarchiv Anton Heindl, Kemnath

Ein Doppeljubiläum feierten die Kemnather damals: Vom 12. bis 20. August 1950 erinnerte die Stadt an „500 Jahre Pfarrkirche“ und sieben Jahrhunderte Stadtrecht. Einigermaßen plausibel war davon freilich nur das Kirchenjubiläum, denn mutmaßlich zwischen 1448 und 1506 wurde das erhabene Gotteshaus am oberen Stadtplatz errichtet. Mit der Stadterhebung lag die „Festleitung“ allerdings um ein gutes Jahrhundert daneben: Zwar wurde Kemnath möglicherweise um 1250 von seinem ursprünglichen Standort in der heutigen Flur „Altenkemnath“ an seinen jetzigen Platz verlegt, doch zur Stadt wurde es erst zwischen 1354 und 1375 „geadelt“.

Wie dem nun auch sei: Nach Hitlerdiktatur und „Weltbrand“, unter dem Eindruck des beginnenden Wirtschaftswunders und des „kalten Krieges“ zwischen westlicher Welt und sowjetischem Einflussbereich dürfte sich kaum jemand um historische Beckmesserei geschert haben. Wichtig war den Menschen jener Zeit wohl vor allem, einen Grund zu haben, um die Wiederkehr von Ruhe und Wohlstand nach den Schrecknissen von Krieg und Gewaltherrschaft zu feiern und ein Zeichen des Freiheitswillens gegenüber dem „Bolschewismus“ zu setzen, der jenseits des nahen „eisernen Vorhangs“ für einen Überfall auf die „freie Welt“ rüste - wie so viele damals fürchteten.

Auf das opferreiche Wüten und Scheitern eines Regimes, für dessen Exponenten Gott wenig mehr als eine schmückende Floskel in Fest- und Hetzreden gewesen sei, müsse eine Rückbesinnung auf christliche Normen und Werte als sichere Fundamente einer gerechten und friedlichen Staats- und Weltordnung folgen: Hierin waren sich die Festredner des „Kemnather Katholikentags“ einig, der am Festtag Mariä Himmelfahrt das Patrozinium der Stadtkirche umrahmte. Einen Gast begrüßten Stadtpfarrer Georg Pilz und seine „Pfarrkinder“ damals mit besonderer Begeisterung: Dr. Aloysius Muench, Sohn der „Pinzerbäck Res“ alias Theresa Kraus, die 1878 mit Vater und Geschwistern aus Kemnath in die USA ausgewandert war.

Ihr 1889 geborener Sohn Aloysius hatte den Kontakt zur Heimatstadt seiner Mutter nie abreißen lassen, und seine Rede war denn auch eine Liebeserklärung an das „traute und ruhige Städtchen“, das er 1920 als Theologiestudent und 1939 als Bischof von Fargo (Norddakota/USA) habe besuchen können: „Glücklich das Land, das viele solcher Stätten des Friedens hat, wo Gott nicht nur im Tabernakel, sondern auch im Herzen der Menschen wohnt.“ Ja, die ganze Welt könne von Kemnath lernen, meinte der nunmehrige Leiter der päpstlichen Nuntiatur für Westdeutschland: „Wo Glaube und Liebe herrschten, da sei auch der Friede zu finden, jener Friede, der vom religiösen Geiste getragen werde. Und der Friede könne viel leichter in die Welt einziehen, wenn die Menschen, die von ihm sprächen, nicht Hass, sondern Gott im Herzen trügen.“

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„Zehn Grundgesetze der Menschheit“

Kemnath. Mit ähnlich aufrüttelnden Worten wie Bischof Aloysius Muench beschwor Kultusminister Alois Hundhammer beim „Kemnather Katholikentag“ 1950 die bewährte „Glaubenskraft“ des bayerischen Volkes. „Wenn auch in der heutigen Zeit das kirchliche Leben mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens rücken würde, könnten in vielen Fällen die Sorgen und Probleme der Staatsführungen gelöst werden, doch beachte man heute zu wenig Gottes Gebote, jene ‚zehn Grundgesetze, die in Stein gehauen einst der Menschheit auf dem Berge Sinai übergeben wurden‛“, urteilte der CSU-Mitbegründer und überzeugte Katholik.

Nachdrücklich wandte sich der Minister gegen eine „Entchristlichung“ des Schulwesens und eine Verdrängung christlicher Symbole aus der Öffentlichkeit, aber auch gegen eine Außenpolitik, die sich auf „Kampf und Waffen“ statt auf den „Glauben an Gott“ als wichtigsten Schutzschild stütze. In die gleiche Kerbe wie Hundhammer und Muench hieb der Pressather Stadtpfarrer und Kapitelsdekan Georg Schinner, der „christlichen Glauben und christliches Gebot“ den „bedrohlichen Einflüsse der heutigen Zeit“ entgegenstellte. Auf ganz bestimmte „Wunden“ der Nachkriegszeit legte der Kemnather Landrat und CSU-Landtagsabgeordnete Ferdinand Neumann seine Finger.

„Nicht durch Konferenzen, sondern nur durch christliche Nächstenliebe (könne) das Verhältnis zwischen Einheimischen und Flüchtlingen in die gewünschten Bahnen geleitet werden“, appellierte er an Alt- wie Neubürger. An Kultusminister Hundhammer richtete Neumann „die Bitte, den Landkreis Kemnath in seinen Bestrebungen, die Schulraumnot zu lindern, zu unterstützen (...), denn wenn wir für unsere Jugend sorgen, haben wir auch unsere Aufgabe der Zukunft gegenüber Gott erfüllt.“

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Hoffnung auf „Sonne des Glücks“

Kemnath. Ein anrührendes Zeitdokument jenes „Kemnather Katholikentags“ vom 15. August 1950 ist das Begrüßungsgedicht für Bischof Aloysius Muench, das Hannelore Scherer sprach. Die Verse spiegeln die damalige Stimmung vieler ost- und sudetendeutscher Heimatvertriebener wider und würdigen auch Muenchs Wirken als Leiter der Kronberger „Päpstlichen Mission für die Flüchtlinge“ (1946-1951):

Hochwürdigster Vater, wir grüßen Dich
Mit Heimatgefühlen recht inniglich.
Wir wissen, Du hast für uns ein Versteh’n:
Du musstest ja auch aus der Heimat geh’n.
Drum sind wir in der Liebe vereint,
Und in der Hoffnung,
Dass einmal noch scheint
Die Sonne des Glücks uns in jenem Land,
Aus dem wir verstoßen, aus dem wir verbannt.

Es grüßt Dich die Heimat durch meinen Mund,
Gott segne Dein Walten auf Erden,
Gott segne uns alle zu dieser Stund,
Damit wir nicht müde werden.

Dass allerdings gerade christliche Musik keine politischen und kulturellen Willkürgrenzen kennen solle, demonstrierte die Stadtpfarrei mit der musikalischen Gestaltung des von Bischof Muench zelebrierten Pontifikalhochamts: Hierfür wählte sie die Missa Nr. 9 in D-Dur des tschechischen Komponisten Václav Emanuel Horák.

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Zum Nachlesen

Ausführlich hat Anton Heindl, Leiter des Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums, den „Kemnather Katholikentag“ von 1950 in seinem Beitrag „Das 500jährige Jubiläum der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt verbunden mit dem Katholikentag in Stadtkemnath im Jahre 1950“ für den Kemnather Heimatboten 2010 an Hand von Zeitzeugenberichten und anderem Material aus seinem Familienarchiv dokumentiert.
Die Festmesse Nr. 9 von V. E. Horák ist im Internet nachzuhören unter http://manfredhoessl.de/files/Horak9.zip .

Informationen

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