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17.07.2013

„Glaube gehört nicht ins Museum“

von Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum Kemnath

Kemnath. „Dass wir diesen Schatz zeigen können, kommt einem kleinen Wunder gleich.“ Begeistert zeigte sich Hans Rösch, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK), von der neuen Sonderausstellung „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin“ des Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums. Auch Dirk Grafe, evangelischer Prodekan und Pfarrer in Wirbenz, äußerte bei der Eröffnungsfeier im Museumshof die Hoffnung, dass diese Dokumentation „viele Menschen aufrütteln und anrühren“ möge.

30 Gäste kamen zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Kemnather Museum. Schirmherr ist Jungpriester Thomas Kopp aus Kulmain (Bildmitte, in Soutane). Von der Visitenkarte bis zum Primizbrautkranz: Vielfältige Exponate erinnern an die Primiz 1913 und die Lebenswege der Priester Maximilian Reiter und Ludwig Kastner.

Dass man dieser Schau nicht gerecht werde, wenn man in ihr allein die Erinnerung an zwei Priesterweihen vor 100 Jahren sehe, unterstrich der Kulmainer Jungpriester Thomas Kopp, der „nicht nur als Pflicht, sondern auch als Anliegen“ die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen hatte. Die Priester Maximilian Reiter (1889-1966) und Ludwig Kastner (1887-1970), deren Lebenswege durch zwei Weltkriege, NS-Diktatur, Nachkriegsnöte und Wiederaufbauzeiten nachgezeichnet würden, hätten „in Zeiten von Ungewissheit und politischen Wirrnissen, Not und Leid, Elend und Krieg“ die Pflicht jedes Geistlichen erfüllt, „für Menschen da zu sein, ihnen Halt und Orientierung zu geben“.

Hieran anknüpfend, stellte Dirk Grafe fest: „Wie viel Gutes kam aus dieser Gegend, die so viele Geistliche hervorgebracht hat.“ Noch nicht lange sei es her, da habe die Nordoberpfalz als „Mistbeet der Diözese Regensburg“ gegolten: „Dort brauche man den Boden nur zu streicheln, und schon wüchsen die Priester empor, hieß es einst.“ Säkularisierung und Egoismus seien freilich auch über diese Gegend nicht spurlos hinweggegangen und Neupriester, die das „schönste Amt der Welt“ anträten, seltener geworden. Grafe rief dazu auf, entgegen dem Zeitgeist verantwortungsbewusst die christliche Botschaft zu beherzigen, die uns mahne, dass „das ‚Ich’ nicht das Wichtigste ist“. Vielleicht wecke gerade ein Besuch dieser Ausstellung paradoxerweise die Erkenntnis, „dass der Glaube keineswegs ins Museum, sondern unvermindert in unsere Zeit gehört“.

Viele aufmerksame Besucher wünschte auch zweiter Bürgermeister Josef Krauß der Ausstellung zu einem „außergewöhnlichen“ stadtgeschichtlichen Thema. Museumsleiter Anton Heindl zeigte sich überzeugt, dass die Dokumentation über die Primiz des „Kemnather Bürgersohns“ Maximilian Reiter und des „Eisersdorfer Bauernsohns“ Ludwig Kastner kein Anachronismus sei. Wie vor 100 Jahren gelte es auch heute noch als Ehre, wenn aus einer hiesigen Familie ein Priester hervorgehe: „Das durfte ich eindrucksvoll bei der Weihe und Primiz unseres Schirmherrn miterleben.“ Mit Thomas Kopp war sich Heindl einig, dass die Ausstellung den Betrachter auch auf einen Gang durch die Zeitgeschichte mitnehme.

Namentlich gelte dies für das reich dokumentierte Leben Maximilian Reiters, der unter anderem in Arzberg, Loizenkirchen und Windischeschenbach, von 1929 bis 1949 in Sulzbach und danach als Leiter des Regensburger Kinderheims Sankt Leonhard gewirkt habe. Besonders habe Heindl Reiters Testament beeindruckt, das von tiefer Frömmigkeit, Bescheidenheit und Uneigennützigkeit, Altersweisheit und Heimatverbundenheit zeuge. „So gibt Reiters letzter Wille auch Denkanstöße an uns alle, uns nach unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten in Familie und Gesellschaft einzubringen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, und in aller Bescheidenheit zu wirken“, betonte Anton Heindl. Mit angeregten Gesprächen bei dezenter Musik der „KEMs“ Siegfried Zaus und Roland Amm klang die Eröffnungsfeier aus.

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Nächste Doppelprimiz-Ausstellung in 76 Jahren?

Kemnath. Bei Umbauarbeiten im Haus von Max Linhardt, einem Neffen des Priesters Maximilian Reiter, wurde dessen Nachlass wiederentdeckt, der insbesondere einen reichen Fundus von Erinnerungen an Priesterweihe und Primiz im Sommer 1913 birgt. Bilder, Festgedichte und Zeitungsberichte, aber auch ein Primizbrautkranz und Jugendstil-Visitenkarten illustrieren keineswegs nur die religiösen Gepflogenheiten jener Zeit.

Museumsleiter Anton Heindl bedauerte, dass über den Werdegang von Pfarrer Ludwig Kastner aus Eisersdorf, der in Gottfrieding, Hohenthann, Leonberg und Hebertsfelden und schließlich 32 Jahre lang in Rottendorf bei Schmidgaden gewirkt hatte, weit weniger Erinnerungsstücke zusammengetragen werden konnten als über Maximilian Reiter. Die vom Museumsteam des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK) zusammengetragenen stumm-beredten Zeugnisse aus acht Jahrzehnten des 19. und 20. Jahrhunderts können bis zum 25. August jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr, am 4. August zusätzlich von 10 bis 12 Uhr im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum, Trautenbergstraße 36 (Alte Fronveste), besichtigt werden.

Der Eintritt ist frei. 2089 kann der HAK übrigens das Thema „Doppelprimiz“ erneut aufgreifen: Dann jährt sich die Priesterweihe von Reinhold Bartmann und Thomas Pinzer zum 100. Mal.

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