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13.09.2013

Eigener Stil ohne Mogeln: Heimatmuseum eröffnet Hans-Wenning-Ausstellung

von Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum Kemnath

Kemnath. „In der Kunst gibt es kein Mogeln.“ Diesem Wort Kurt Tucholskys würde Hans Wenning bedenkenlos zustimmen. Denn für den Maler und Zeichner steht außer Frage: „Gute Kunst erfordert auch, dass man das Handwerkliche gründlich übt und beherrscht.“ Auf eine kurze Formel gebracht: Gute Kunst ist auch Handwerksarbeit.

Hans Wenning: Wanderweg zum Schlossberg im Herbst. Hans Wenning.

Mit diesem Satz ist die Sonderausstellung im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum überschrieben, die der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis (HAK) am vergangenen Sonntag eröffnet hat. Zum 75. Geburtstag des bekannten Künstlers aus Kastl zeigt sie einen Querschnitt durch dessen Werk. Für die Museumsgruppe des HAK zeichnete Historiker Bernhard Piegsa in der Laudatio das Leben des gebürtigen Kemnathers nach, der schon als sechsjähriger Schüler erste Zeichenversuche mit harten Kriegsbleistiften auf schlechtem Kriegs-Schulheftpapier unternahm.

Seither begleiten ihn Öl- und Wasserfarben, Bleistift und Tinte, Rötel und Kohle beständig durchs Leben. Folgerichtig wählte er selbstbewusst einen Berufsweg, der ihm gestatten sollte, seine „kreative Ader“ auch für den Broterwerb zu „verwerten“. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Dekorateur 1956 ließ sich Wenning in Frankfurt am Main nieder, wo er unter anderem in einem Werbeatelier als Schaufenstergestalter und Plakatmaler arbeitete.

Indes wollte Hans Wenning seine Begabung nicht allein in den Dienst der „Gebrauchskunst“ stellen und vervollkommnete seine Fähigkeiten durch Privatunterricht bei dem Frankfurter Kunstprofessor Albert Sommer. Obwohl – oder gerade weil – er bewusst nicht den jeweils aktuellen tonangebenden Strömungen der zeitgenössischen Kunst folgte, fanden seine in der Tradition der Romantiker, Realisten und Impressionisten stehenden Bilder bereits in Hessen Aufmerksamkeit und Anerkennung. Doch auf die Dauer hielt es ihn nicht in der großstädtischen Fremde, und 1978 kehrte Wenning in seine Oberpfälzer Heimat zurück.

Deren herben Charme hat er seither in unzähligen Ölgemälden und Aquarellen eingefangen. Doch darin erschöpft sich sein Werk keineswegs. „Ein Maler muss sich in jede Stilrichtung hineinversetzen, seinen ästhetischen Standpunkt relativieren können. Damit praktiziert er auch Toleranz“, lautet sein Credo. „Ich habe mich nie stur auf eine bestimmte Technik festlegen wollen“, betont der Kastler: „Ein Künstler soll seinen eigenen Stil auch dadurch finden, dass er sich von anderen anregen lässt.“ Weil das so ist, finden sich unter seinen Gemälden und Zeichnungen auch Arbeiten von expressionistischer Lebhaftigkeit und Dynamik.

Nach wie vor versteht Wenning sein Schaffen als Dienst an Schönheit und Wahrheit und malt „aus Leidenschaft, nicht des Geldes wegen“. Für Schulen und Kindergärten, insbesondere aber für die Kirche arbeitet der bekennende Katholik gern kostenlos. Museumsleiter Anton Heindl freute sich, dass die Museums- und die Kunstgruppe des HAK einen der bekanntesten Kunstschaffenden des Kemnather Landes für eine Ausstellung gewinnen konnten: „Künstlerische und kulturelle Vielfalt ist uns ein Anliegen.“ Sein besonderer Dank galt Wennings Kemnather Künstlerkollegen Rainer Sollfrank für die Konzeption der Schau.

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Gemälde auch im Turmdurchgang

Kemnath. Wer Hans Wennings facettenreiches Werk kennenlernen und sich von seinen einfühlsamen Bildern voller Spitzweg’scher Hintergründigkeit, inniger Frömmigkeit und aufrichtiger Liebe zum Land zwischen Kulm und Kösseine bezaubern lassen will: Das Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum in der Alten Fronveste, Trautenbergstraße 36, ist sonntags von 14 bis 16 Uhr, am ersten Sonntag jedes Monats von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Einen „appetitanregenden“ Vorgeschmack bieten die Gemälde, die im „HAK-Schaufenster“ in der Turmpassage zwischen Stadtplatz und Cammerloherplatz ausgestellt sind. Die Sonderausstellung „Gute Kunst ist auch Handwerksarbeit“ kann bis zum 1. Dezember besucht werden. Der Eintritt ist frei.

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