Vereinsnachricht

09.02.2018

Mit Gott als Freund sprechen

von KLJB Burkhardsreuth

Burkhardsreuth. „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name ...“ Altvertraute Worte, die jedem Christen fast automatisch von den Lippen gehen. Doch was wäre, wenn es dem Adressaten einfiele, sich tatsächlich einmal angesprochen zu fühlen – und die eingeschliffenen „Formeln“ höchstselbst neu mit Leben und Inhalt zu füllen?

Ein Gebet soll mehr sein als ein pflichtschuldiges frommes Ritual: Dies rief die Katholische Landjugend Burkhardsreuth in dem von ihr mitgestalteten Gottesdienst „Praystation statt Playstation“ neu ins Bewusstsein. „Beten ist wie Reden mit Gott“ – so einfach und klar sei das, lautete die Botschaft der Jugendlichen an die zahlreichen Besucher.

Wer sich mit so viel Vertrautheit schwer tue, solle sich der Erkenntnis stellen: „Mit Gott kannst du reden wie mit einem guten Freund: offen und ehrlich. Es muss dir nichts peinlich sein, weil niemand dich so gut kennt.“ Nichts wissen wollten Christiane Dötsch, Regina Hey, Renate Neukam, Alexander Wolf und Tobias Wolf, die die von Regina Hey als Diskussionsrunde konzipierte „Predigt“ mit verteilten Rollen vortrugen, von einer angeblichen Überholtheit des Betens.

Im Gegenteil: „In einer Welt, in der so viel Grausames geschieht, kann Beten nie schaden. Auf der anderen Seite geht es vielen bei uns so gut, dass man meinen könnte, es bräuchte gar keinen Gott. Genau darum ist es wichtig, ihm unsere Zuneigung zu schenken.“ Denn so vieles Schöne verdanke man gerade Gott: „Er hat euch viel geschenkt: euer Leben, Freunde, Familie und auch die Liebe.“

Fehl am Platz seien allerdings Gebete um materielle Nebensächlichkeiten wie „das neueste Touch-Handy und einen neuen Laptop“: „Gott ist nicht der Weihnachtsmann und Beten kein Wunschkonzert.“ Derartige Wünsche sollten der Einsicht weichen: „Eigentlich geht es mir ganz gut, und vielleicht sind das Handy und der Laptop nicht das Wichtigste.“ Einen weiteren Aspekt richtigen Betens lehre Jesus selbst: „Beten ist nicht dazu da, anderen öffentlich zu imponieren, sondern dazu, die ganz eigenen Sorgen vor Gott zu bringen.“

Mit ihrem Plädoyer für ein freies Beten wollte die Gruppe indes nicht die traditionellen „vorgegebenen“ Gebete wie das „Vater unser“ geringachten. Würden sie bewusst und verständnisinnig gesprochen, komme ihnen ein besonderer Wert als verbindender Ausdruck und Widerschein der grenzüberwindenden Christengemeinschaft zu: „Wir glauben, dass Beten in der Gemeinschaft besonders viel Kraft hat und allen Mut macht.“

In ihren ebenfalls von Gottesdienst-„Regisseurin“ Regina Hey formulierten Fürbitten verwandten sich Anna Laugensteiner, Lena Schecklmann, Michael Wolf, Annika Hey und Daniel Ackermann für alle zweifelnden, orientierungslosen, leidenden und verzweifelten Menschen und für die Verstorbenen. In einem nach der Kommunion vorgetragenen Gedicht gab Tobias Wolf zu bedenken, dass das Vaterunser kein „Ich-Gebet“ sei: „In allen Worten des Gebetes, das uns der Herr gegeben, / gibt`s niemals Mir, Mein, Mich. Doch stets führt das ‚Wir‘ zum ewigen Leben.“ Die musikalische Begleitung der von Pfarrer Edmund Prechtl zelebrierten Messe übernahmen Organistin Susanne Kocbek und mehrere Jugendgruppenmitglieder mit Kachon, Flöte, Geige und Gitarre.

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Beginn eines gemeinsamen Wegs

Burkhardsreuth. (bjp) Was daraus entstehen könnte, wenn man sich beim Beten des Vaterunsers auf Gottes Inspiration einlässt, veranschaulichte im Burkhardsreuther Jugendgottesdienst „Praystation statt Playstation“ Sebastian Reiß als „Stimme vom Himmel“, die es einer „pflichtbewusst“-routinierten Beterin (Stefanie Groß) nicht leicht machte.

„Dein Reich komme, dein Wille geschehe“ – das nehme jeden Gläubigen in die Pflicht, sich in seiner Lebensführung auf oft einfache Gebote zu besinnen, meinte der „himmlische Mahner“: „Was tust du dafür? Wenn das wirklich passieren soll, dann fängt es bei demjenigen an, der darum bittet.“ Dass dies nicht belasten müsse, sondern auch erleichtere, zeige sich an der Bitte „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“.

Wer vergebe, streife bedrückenden Groll ab: „Rache ist nicht süß, es wird dir danach noch schlechter gehen. Vergib, dann werde ich dir vergeben, und Hass und Sünde sind nicht mehr dein Problem, sondern das der anderen. Was dich angeht, so ist das Ganze für dich erledigt.“ Dies leuchtet der Beterin ein: „Noch mehr als mich rächen zu wollen, möchte ich eigentlich mit dir im Klaren sein.“

Ins rechte Licht rückten Stefanie Groß und Sebastian Reiß die vieldiskutierten letzten Vaterunserbitten: „‚Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen‘ – genau das werde ich (Gott) tun! Achte du nur darauf, dass du selbst dich nicht wieder dahin begibst, wo du in Versuchung gerätst!“ Wer das „Gebet des Herrn“ so bewusst bete, für den könne das der Beginn eines „spannenden gemeinsamen Wegs“ mit Gott werden, zeigten sich die beiden Jugendlichen überzeugt. (BJP)

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